Montag, 22. August 2016

Klassiker Weltreise - Station 15: Kirriemuir

Peter Pan



Willkommen in Schottland!
Heute beschäftigen wir uns mit einem der berühmtesten kleinen Jungen der Welt: Peter Pan!


Peter Pan und Tinkerbell sind etwas ganz besonderes. Jedes Kind wünscht sich einmal, nicht erwachsen werden zu müssen und jeder Erwachsene wünscht sich einmal wieder Kind zu sein...
Sir James Matthew Barrie hat ein großartiges Werk geschaffen... Mit einer sehr traurigen Entstehungsgeschichte...
Durch Spiele mit den Kindern einer todkranken Freundin wird Barrie zu seinem wohl größtem Werk inspiriert.
Sehr zu empfehlen ist hier der Film "Wenn Träume fliegen lernen" mit Johnny Depp als J.M.Barrie!

Ich möchte an dieser Stelle mal etwas persönlich werden.
"Peter Pan" war für mich in meiner Kindheit unglaublich wichtig... Genauso wie "Alice im Wunderland"...
Tagsüber suchte ich den Kaninchenbau um aus meiner Welt in eine bessere zu entfliehen... Nachts wartete ich am Fenster oder im Bett auf Peter... Damals verstand ich noch nicht, dass es nur Geschichten sind. Wundervolle, tolle Geschichten, aber nur Geschichten.
Peters Schatten konnte ich im Gegensatz zu Wendy nie fangen...

Aber morgens weckte mich immer der klingelnde Wecker im Bauch des Krokodils! Auch wenn ich das Krokodil nie in meinem Zimmer gefunden habe :D




Ich hab gewartet und gewartet, aber Peter kam nie... 

Aber wünschen wir uns nicht alle mal, unserer eigenen Welt zu entfliehen? Oder wegzufliegen? 

Ich möchte heute noch wegfliegen und mit Peter und den verwunschenen Jungs in Nimmerland gegen Captain Hook zu kämpfen... 

Fliegt einfach vorbei am zweiten Stern rechts und dann immer geradeaus bis zur Morgendämmerung in dieses wunderbare Land, denn wer einmal dort war, dessen Herz wird immer jung bleiben!


>> Zur Rezension und den Daten zum Buch <<

Samstag, 20. August 2016

Klassiker Weltreise - Station 14: Thornton

Sturmhöhe


Auch heute bleiben wir noch in Thornton bei den Schwestern Brontë!
Heute statten wir jedoch Emily und ihrem Roman "Sturmhöhe" einen Besuch ab.

Mir fiel ein Brief in die Hände, den Heathcliff an Catherine schrieb. Um diesen jedoch vollends verstehen zu können, hier erst einmal der ungefähre Inhalt von Sturmhöhe:

Der Findling Heathcliff wächst bei Familie Earnshaw auf dem Gutshof Wuthering Heights in Yorkshire auf. Mit deren stürmischer und leidenschaftlicher Tochter Catherine verbindet ihn eine tiefe Freundschaft. Als der Stiefbruder nach dem Tod des Vaters dem Alkohol und der Spielsucht verfällt und beide terrorisiert, entschließt sich Catherine entgegen ihrer Gefühle, den reichen und angesehenen Nachbarn Edgar Linton zu ehelichen. Der schwer gekränkte Heathcliff schwört, sich daraufhin an beiden Familien zu rächen...

Nun dürft ihr tiefer in die Emotionalität von "Sturmhöhe" eintauchen. Denn aufgewühlte Gefühle gibt es in dem Buch so einige.
Also nun zu Heathcliffs Brief:


Ach Catherine, meine Cathy,

mein größter Gedanke im Leben bist du. Mag alles andere zu Grunde gehen, wenn du mir nur bliebest, würde auch ich weiter bestehen; wenn aber alles bliebe, und du würdest vernichtet, das ganze Universum schiene mir vollkommen fremd. Ich würde nicht mehr dazugehören.
Warum ich dir dies schrieb? Da es für mich so scheint, als sei dies nun eingetreten. Als sei letzteres, das Universum, mir vollkommen fremd.
Du wirfst dich weg an diesen jämmerlichen Wurm; an diesen Mann, der es nicht verdient so geschimpft zu werden. Noch nie war er die Luft wert, die durch seinen Körper fließt. Das Blut, das durch seine Adern kreist, mag ja von hoher Geburt sein, doch eine jämmerliche Seele wohnt in dieses Körpers Hülle.
Du stößt mich fort für diesen elenden Nichtsnutz. Lässt mich in der Dunkelheit ohne dich, mein Licht.
Wenn du mir sagen würdest, du hättest mich vergessen; du würdest keinen Gedanken an mich verschwenden, wäre meine Zukunft in zwei Worten zusammengefasst, mein Herz: Tod und Hölle – wenn ich dich verlöre, wär das Leben meine größte Hölle.
Doch wie töricht von mir auch nur einen Augenblick wirklich denken zu können, dir bedeute Edgar Lintons Zuneigung mehr als die meine. Selbst wenn er dich mit all der Kraft lieben würde, zu der diese jämmerliche Kreatur fähig ist, könnte er dir in achtzig Jahren nicht so viel Liebe schenken wie ich an einem einzigen Tag.
Und nun sag mir,  mein Liebes, dein Herz fühlt genauso tief wie meines. Linton kann dir kaum einen Deut teurer sein als ein Hund oder dein Pferd!
Ich kenne kein Mitleid, Cathy! Ich kenne kein Mitleid! Je mehr die Würmer sich krümmen, desto stärker reizt es mich, sie zu zertreten. Es ist wie ein moralisches Zahnen; je schlimmer der Schmerz wird, desto kräftiger beiße ich die Zähne zusammen. Du weißt das! Du kennst mich!
Warum hast du mich verschmäht? Warum hast du dein eigenes Herz verraten, Cathy? Ich finde kein Wort des Trostes – du hast es verdient zu leiden! Oh ja! Du bist selbst schuld an deiner Lage!
Du magst mich wohl küssen und weinen und mir Küsse und Tränen entlocken. Sie werden dich vernichten, dich verdammen! Du liebst mich! Mit welchem Recht hast du mich dann verlassen? Mit welchem Recht… etwa wegen deiner armseligen Zuneigung für diesen jämmerlichen Linton Sprössling? Weder Elend, Erniedrigung und Tod noch irgendeine der Plagen, die Gott oder Satan uns geschickt haben könnten, hätten uns je zu trennen vermocht... du aber hast es aus freien Stücken getan. Ich habe dir nicht das Herz gebrochen… du hast es selbst getan, und damit hast du auch das meine gebrochen. Um so schlimmer für mich, denn ich bin stark. Will ich denn leben? Was wird das für ein Leben sein, wenn du… o Gott! Würdest du leben wollen, wenn deine Seele im Grabe liegt?
Sei immer bei mir – nimm jede Gestalt an, die dir gefällt – treib mich zum Wahnsinn! Nur lass mich nicht in diesem Abgrund, wo ich dich nicht finden kann! O Gott, es ist unaussprechlich! Ich kann nicht ohne mein Leben leben! Ich kann nicht ohne meine Seele leben!
Ich bitte dich, Cathy, mein Liebes, mein Herz, meine Seele…

Dein untertänigster, wenn auch verschmähter, verzweifelter Diener,

Heathcliff


Sicherlich konntet ihr euch nun ein Bild von Heathcliff und seinen hin und herwechselnden, aufgewühlten und zum Teil rachsüchtigen Gedanken machen.
Noch heute Abend wird es einen zweiten Artikel bei "Sunny's Bücherschloss" geben, in dem auch dieser Brief eine Rolle spielen wird.



Autor: Emily Brontë
Preis: 9,90 €
Seitenanzahl: 464 
Übersetzer: Michaela Meßner
Verlag: dtv
Leseprobe: >> gibt es hier <<

Klappentext: 
Der Findling Heathcliff wächst bei Familie Earnshaw auf dem Gutshof Wuthering Heights in Yorkshire auf. Mit deren stürmischer und leidenschaftlicher Tochter Catherine verbindet ihn eine tiefe Freundschaft. Als der Stiefbruder nach dem Tod des Vaters dem Alkohol und der Spielsucht verfällt und beide terrorisiert, entschließt sich Catherine entgegen ihrer Gefühle, den reichen und angesehenen Nachbarn Edgar Linton zu ehelichen. Der schwer gekränkte Heathcliff schwört, sich daraufhin an beiden Familien zu rächen...

Donnerstag, 18. August 2016

Klassiker Weltreise - Station 13: Thornton

Jane Eyre


Im folgendem möchte ich euch durch ein Interview zwei ganz besondere Personen vorstellen: Charlotte Brontë und Edward Fearfax Rochester!
Ich liebe Charlottes "Jane Eyre". Der Roman bietet auf über 600 Seiten eine unglaublich großartige Geschichte, die Stoff für so viele Verfilmungen lieferte! Die - meiner Meinung nach - beste davon ist die mit Mia Wasikowska und Michael Fassbender, eine grusel Gothic Verfilmung. Lohnt sich wirklich sehr!
Jane ist eine unglaubliche Frau und Rochester ist zwar hart, doch mit einem sehr weichen Kern... Meiner Meinung nach ein höchst wertvolles Buch auf der emotionalen Ebene...

Aber nun lassen wir doch die eigentlichen Protagonisten zu Wort kommen:

Miss Brontë? Ich bitt Sie, auf ein Wort? 

Mister Rochester, haben Sie mich aber erschreckt! Was machen Sie hier? Sie können nicht real sein! Wie sind Sie aus meinem Buch herausgetreten?

Ich muss mit Ihnen sprechen, Miss Brontë! 

Das hilft mir zwar bei meinen Fragen nicht gerade weiter, doch gut, lassen Sie hören, was Ihnen auf der Seele lastet, mein lieber Edward. Ich darf sie doch Edward nennen? Ich meine, Sie sind mir so vertraut, wo ich Sie doch erschaffen habe.

Wie Sie wünschen, Miss Brontë. Doch lassen Sie mich nun zum Grund meines Besuches kommen. Ich muss dann auch schnell zurück in Ihr Buch, sonst gerät die ganze Geschichte durcheinander… Miss Eyre sucht mich sicherlich schon… Wir waren verabredet, aber das wissen Sie ja. Schließlich ist es Ihre Geschichte, Miss Brontë.

Nun sagen Sie schon, was Ihnen so auf der Seele brennt, Edward! Machen Sie schnell, damit Jane Sie nicht allzu lange suchen muss. Wir wollen doch, dass sie beide am Ende glücklich werden können.

Das ist genau der Punkt auf den ich hinausmöchte, Miss Brontë. Können Sie mir bitte einmal sagen, warum ich, der eigentlich doch so liebevolle und nette Edward Faerfax Rochester, in Ihrem Buche so aufs schändliche verunglimpft werde? Sie stellen mich hin als den Tyrannen meines eigenen Hauses… Als aufbrausend! Impulsiv! Dabei müssten doch gerade Sie meine guten Seiten kennen, Miss! Schließlich stamme ich aus ihrem Kopfe! Ihre Hand führte die Feder, die die Tinte auf die Seiten meiner Geschichte, auf die Seiten ihres Buches brachte. 

Ach mein lieber Edward, sagen Sie bloß, dies ist Ihr einziges Anliegen? Ja, ich kenne Ihre guten Seiten! Ich weiß, wie ruhig, wie sanft und wie nett Sie sind. Doch Ihre Geschichte sollte eine ganz besondere werden!
Sehen Sie: Jane ist eine außergewöhnliche junge Frau. Alleingelassen von der Welt, verstoßen von der eigenen Familie findet sie dennoch ihren Weg und das vollkommen allein! Ohne einen Mann der auf sie achtet. Jane trachtet nicht nach einer Heirat oder einem Haus. Nicht nach Geld und Macht. Sie möchte nur ihren Platz in der Welt finden, den Platz an dem sie glücklich werden kann.
Und natürlich wäre es sehr schön gewesen, dieser jungen Dame nun einen galanten Prinzen vor die Nase zu setzen, der sie umschmeichelt und ihr Herz im Sturm erobert. Doch so funktioniert die Welt in Wahrheit auch nicht, Edward. Die Menschen haben ihre Geheimnisse, so wie Sie. Niemand ist perfekt. Oh nein, schauen Sie mich nicht so an! Auch Jane ist nicht perfekt. Auch wenn sie Ihnen momentan so erscheinen mag.
Edward, Sie sind aufbrausend! Sie sind Impulsiv! Und das alles müssen Sie sein! Sonst wären Sie kein Mann für Jane Eyre! Und glauben Sie mir die Leser meines Buches werden ihre guten Seiten erkennen!
Sie werden sehen! Die Leute werden zum Ende hin sagen, Edward Faerfax Rochester ist zwar ein unberechenbarer Ganove und dennoch er einzig wahre Mann für Jane! Sie werden zum Schluss sogar ein wenig Mitleid mit Ihnen haben, Edward!
Jetzt schauen Sie überrascht nicht wahr?
Tja, Sie hätten mich mein Werk vielleicht zu Ende schreiben lassen sollen, bevor Sie sich beschweren mein Lieber!

Ist das auch wahr? Sie werden ihnen zeigen, wie nett ich bin? 

Aber ja! Ich werde ihnen deine guten Seiten zeigen, allerdings auch nicht auf dem Silbertablett. Und Sie werden einiges einstecken müssen, Mister Edward Faerfax Rochester! Ich dachte bis grade selbst, ich sei zu hart zu Ihnen gewesen, doch nun haben Sie selbst mich vom Gegenteil überzeugt! Und glauben Sie mir: Die Tatsache, dass Sie selbst nicht der Ritter in goldener Rüstung sind, wird der Grund für eine lange Zeit sein, in der Sie und Jane ihre Geschichte immer und immer wieder, wiederholen können, mein Lieber. Denn dieses Buch wird auch in 100 Jahren noch gelesen werden! Davon bin ich überzeugt! Und größtenteils wird das auch Ihr Verdienst sein!
Aber jetzt wollen wir Jane nicht länger warten lassen, oder mein Lieber?

Ich glaube Ihnen zwar noch nicht jedes Wort, Miss Brontë, doch mit einem werden Sie sicherlich Recht haben: Ich und Jane werden die Zeiten überdauern und wenn es nur in ihrem Buch ist. Auch wenn niemand die Nase zwischen die Seiten steckt, leben die Buchstaben dennoch und sie werden unsere Geschichte immer und immer wieder erzählen. Und wir werden glücklich werden, oder Miss Brontë?

Zu letzterem werde ich Schweigen, mein lieber Edward. Denn auch Ihr sollt das Ende meines Buches erst später erkennen. Sonst wäre Eure Überraschung darüber für mich nicht so schön. Und nächstes Mal warten Sie ab, sie impulsiver, liebenswürdiger Narr, bis ich den letzten Satz geschrieben habe, bevor Sie sich beschweren kommen!
Und nun ab zwischen die Seiten! Jane erwartet Sie!



Autor: Charlotte Brontë
Preis: 9,90 €
Seitenanzahl: 656
Übersetzer: Gottfried Röckelein
Verlag: dtv
Leseprobe: >> gibt es hier <<

Klappentext: 
Die Waise Jane Eyre verlebt eine trostlose Kindheit im Haus ihrer hartherzigen Tante Mrs. Reed. Zur Erleichterung aller wird Jane auf ein Internat geschickt; aber auch dort hat sie es anfangs nicht leicht. Mit der Entlassung des heuchlerischen Direktors verbessern sich langsam die Verhältnisse. Als Jane Gouvernante auf Thornfield Hall wird, verliebt sie sich in den finsteren Hausherrn Mr. Rochester, der schließlich auch ihr seine Liebe gesteht. Doch die Mauern des einsamen Landsitzes bergen ein furchtbares Geheimnis…

Dienstag, 16. August 2016

Klassiker Weltreise - Station 12: Thornton

Agnes Grey



Vater unser, der du bist im Himmel geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen! Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen!

Lieber Vater, ich weiß, dass wir uns in letzter Zeit nicht allzu viel unterhielten, verzeih mir dies! Die jungen Fräulein, für die ich arbeite, hielten mich sogar von meinem Kirchgang ab. Auch heute wieder… doch das weißt du ja. Du kannst es sehen… Verzeih mir, Gott. So spreche ich nun hier zu dir und hoffe, dass du mich dennoch erhören magst, auch wenn mir der Weg in die Kirche heute versperrt sein mag. Sonntag können die jungen Damen mich nicht abhalten. Doch ich kann nicht warten. Ich muss meine Seele erleichtern. O Gott! Ich brauche, nein ich erflehe deinen Beistand!

In allen wahren Geschichten steckt eine Lehre, in einigen mag der Schatz allerdings schwer zu finden sein, und hat man ihn denn gefunden, ist er mitunter so erbärmlich klein, dass der dürre, verhutzelte Kern die Mühe des Nussknackens kaum lohnt. Ob dies auch auf meine Geschichte und auf mein Leben zu trifft, vermag ich nur schwer zu beurteilen. Bisweilen denke ich, mein Leben könnte für den einen nützlich, und für wieder andere unterhaltsam sein, doch das magst du selbst beurteilen, mein Vater im Himmel.
Ich tat niemandem etwas Böses und dennoch musste ich schon sehr leiden in meinem jungen Leben. Versteh mich nicht falsch, ich mach es dir nicht zum Vorwurf, himmlischer Herr! O nein! Ich weiß sehr wohl, dass du mich prüfen wolltest und in deiner unendlichen Weisheit, meinen Weg vorherbestimmst. Ich bin dir auch sehr dankbar, denn trotz der schweren Stunden, gab es ein ums andere Mal auch erfreuliche, ja gar schöne Stunden, die ich verleben durfte.
Doch mich drückt nun mein Gewissen und ich möchte dir nicht verschweigen, dass der Grund hierfür vielmehr  die Wut auf mich selbst ist, als irgendetwas sonst.
Du erinnerst dich sicher noch an meine erste Stelle als Gouvernante. Die jungen Herrschaften waren schrecklich wild und grausam zu einigen deiner kleinen Geschöpfe. Ich hab sie wohl gescholten und ihnen verboten, den kleinen Vögelchen die Flügel auszureißen, doch genützt haben meine Worte nicht sonderlich viel. Ich bedaure sehr, nicht mehr getan zu haben. So wie ich bedaure, nicht in der Lage gewesen zu sein, die Kinder auf den rechten Weg zu führen. Doch kann es allein meine Schuld gewesen sein?
Doch noch mehr bedaure ich, deine Geschenke nicht angenommen zu haben. Die Gedanken, die Ideen, die du mir schicktest. O heiliger Vater, verzeih! Doch nie bekam ich neue Ideen oder Anregungen von außen, und die aus mir selbst kamen, wurden meist sogleich im Keim erstickt und dazu verdammt, dahinzusiechen und zu welken, das sie kein Licht zu sehen bekamen.
Bekanntlich hat unser täglicher Umgang großen Einfluss auf unseren Geist und unser Verhalten. Jene, deren Taten wir unablässig vor Augen haben, deren Worte uns ständig in den Ohren klingen, werden uns ganz selbstverständlich, sogar gegen unseren Willen – langsam, etappenweise, unmerklich vielleicht –, dazu bringen, zu handeln und zu sprechen wie sie. So verzeih mir Herr, dass ich zumindest in Teilen so schwach war, mich nicht vollends gegen diesen Einfluss wehren zu können.
Doch eines wollt ich mir bewahren! Niemals, nein, niemals wollt ich mein moralisches Handeln verlieren und niemals von meiner Tugend Abstand nehmen!
Und nun… o Gott… nun schickst du mir diesen Menschen… diesen Mann… Im Gehen warf er mir einen Blick zu, schenkte mir ein kleines Lächeln – nur einen Augenblick lang, doch die Bedeutung, die ich in meiner Phantasie in seine Geste hineinlegte, entzündete eine Flamme der Hoffnung in meinem Herzen, die heller brannte, als ich es je erlebt hatte! O Gott, gib mir doch ein Zeichen… ist er wirklich diese Hoffnung? Das Licht in meinen trüben Stunden? Oder schickst du mir nur eine weitere Prüfung auf meinem steinigen Wege?


Jetzt konntet ihr einen kleinen Einblick in das Wesen und die Gedanken der Agnes Grey bekommen. 
Anne Brontë hat einen interessanten Roman verfasst, der nicht nur eine herrlich romantische Ader besitzt, sondern auch ein zutiefst beeindruckendes Bild der Gesellschaft zeichnet. 
Ich kann absolut nicht nachvollziehen, dass so wenig Leute, dieses herausragende Werk kennen...



Autor: Anne Brontë
Preis: 9,90 €
Seitenanzahl: 320 
Übersetzer: Michaela Meßner
Verlag: dtv
Leseprobe: >> gibt es hier << 

Klappentext: 
Die Pfarrerstochter Agnes Grey lebt vollkommen abgeschieden mit ihren Eltern und ihrer Schwester in Nordengland. Als ihre Familie in finanzielle Not gerät, beschließt Agnes, als Gouvernante zu arbeiten. Ihr anfänglicher Enthusiasmus wird jedoch schnell getrübt. Ihre verzogenen Schützlinge wie auch deren reiche Eltern machen Agnes das Leben schwer. Als sie zarte Gefühle für den Hilfspfarrer Edward Weston entwickelt, stellt das Schicksal sie auf eine harte Probe…

Freitag, 12. August 2016

Der geheime Zirkel 2: Circes Rückkehr

Rezension 


Autor: Libba Bray
Preis: 11,95 €
Seitenanzahl: 656
Übersetzer: Ingrid Weixelbaumer
Verlag: dtv
Leseprobe: >> gibt es hier <<





Inhalt: 
Herrliche Weihnachtszeit! Gemma freut sich auf den Urlaub von der Spence-Akademie für junge Damen, freut sich auf die Zeit mit ihren Freundinnen Felicity und Ann, auf aufregende Bälle im noch aufregenderen London. Und tatsächlich scheint sich der attraktive, junge Lord Denby für sie zu interessieren. Doch trotz all der Ablenkungen der großen Stadt gerät Gemma immer wieder in den Strudel ihrer Visionen. Unheilvoller Visionen. Außerdem ist der mysteriöse Kartik wieder aufgetaucht - mit einer Warnung: Die Magie, die sie durch die Zerstörung der Runen freigesetzt hatte, wird nun zu einer Bedrohung für das Magische Reich. Gemma soll in die verzauberte Welt zurückkehren, um den geheimen Tempel zu finden und die Magie dort zu binden. Aber auch andere Kräfte sind an dem Magischen Reich interessiert ...


Meine Meinung: 
Wer mich bzw. meine Rezensionen schon länger kennt und liest, wird inzwischen wissen, dass ich es hasse, wenn zu beginn von Büchern erstmal der gesamte Inhalt des vorherigen Bandes wiedergegeben wird. Ein wenig gestört hat mich das hier auch, aber dadurch dass Libba Bray es geschafft hat, die vorhergehenden Ereignisse mit der jetzigen Situation zu verknüpfen und nur die wichtigen Dinge noch einmal aufgegriffen hat, konnte ich darüber leicht hinwegsehen.

Ein wenig geschockt war ich zu Beginn von der Länge des Buches. Ungefähr das doppelte an Seiten wie Band 1. Aber ich wäre keine Leseratte, wenn ich das nicht insgeheim doch super gefunden hätte! :D

Auch der zweite Band steigt sofort spannend in die Geschichte ein, wird dann kurz von einigen Rückblenden unterbrochen und beginnt dann mit einer starken Steigerung der Spannung, die sich beinahe bis zur letzten Seite hält!

Ich bekenne mich jetzt zu meiner Schwäche für die Regency Epoche (19.Jahrhundert in England). Ich liebe die Bälle, Kleider und dieses ganze Lords und Ladys Getue! Umso schöner ist es hier, dass die doch recht schaurige, magische Geschichte ihren Platz in dieser Zeitepoche gefunden hat!

Gemma entwickelt sich charakterlich immer mehr zu einer jungen Dame mit Prinzipien...
Felicity legt genauso häufig ihr grausames, verzogenes Getue an den Tag...
Und Ann versucht ihren Platz zu finden... Oder eher den Platz, den sie gerne hätte...
Obwohl sich alle drei weiterentwickeln, sind sie dennoch oft sehr naiv... Was mich, wie ich zugeben muss, zwischendurch ziemlich genervt hat!
Zumal ich auf Seite 50 bereits dachte, "Hey ich kenne das Ende..."
War dann zum Glück doch nicht so und trotz dieses Gedankens hielt sich die Spannung im ganzen Buch! Und ich wurde am Ende mehr als überrascht...!

Und vielleicht liegt die Antwort zum Zirkel des aufgehenden Mondes nicht in der guten Londoner Gesellschaft oder in Spence dem guten Mädchenpensionat, sondern im Irrenhaus...

Donnerstag, 11. August 2016

Die Eiskönigin - Völlig unverfroren

Rezension 

Sprecher: Yvonne Greitzke
Preis: 8,99 €
Dauer: 2 h 5 min
Altersempfehlung: ab 5 Jahren
Verlag: der Hörverlag
Hörprobe: >> gibt es hier <<


Inhalt: 
Prinzessin Elsas eisige Zauberkräfte haben das Königreich in eine ewige Winterlandschaft verwandelt. Die Einzige, die den Fluch bannen kann, ist Elsas Schwester Anna. Doch dazu muss sie Elsa finden, die sich irgendwo versteckt hält. Gemeinsam mit dem charmanten Abenteurer Kristoff und seinem treuen Rentier Sven mit dem schiefen Geweih, genauso wie dem lustigen Schneemann Olaf begibt sich Anna auf eine gefährliche Reise durch Schnee und Eis. Unterwegs müssen sie höchste Höhen, geheimnisvolle Trolle, böse Schneemann-Armeen und unzählige magische Hindernisse überwinden – immer im Wettlauf mit der Zeit.

Meine Meinung: 

Ich liebe die Geschichte um Anna, Elsa, Kristof, Sven und Olaf... Olaf... *seufz*

Das Hörbuch ist wirklich schön. Vor allem, da Yvonne Greitzke auch die Synchronstimme von Anna im Disney Film ist. So hat man das Gefühl, dass Anna selbst die Geschichte erzählt.
Schade ist allerdings, dass die Lieder fehlen... Grade die machen meiner Meinung nach den Charme der Disneyfilme aus. So fehlt hier ein wichtiger Aspekt um die Schönheit des Filmes gänzlich aufnehmen zu können.

Yvonne Greitzke schafft es dennoch den eisigen Charme "Der Eiskönigin" einzufangen und sprachlich hier wiederzugeben. Mit Lebendigkeit und Dynamik erweckt sie die Geschehnisse um Anna und Elsa zum Leben.
Und da ab und an Fragmente der Liedtexte mit in den Text eingebaut werden, hat man teilweise auch schnell selbst das Lied im Kopf.
Was mir besonders gefallen hat, ist dass das Hörbuch sehr dicht an dem Inhalt des Films ist.

Sonntag, 7. August 2016

Im Galopp durch den Sommer

Rezension 


Autor: Sarah Bosse
Preis: 12,99 €
Seitenanzahl: 240 
Verlag: Coppenrath
Website: >> hier lang <<


Man muss jedes Tier behandeln, als sie es unersetzlich. Denn das ist es: unersetzlich... 


Inhalt: 
Hurra, Jana hat ihren Schulabschluss in der Tasche! Endlich Urlaub, feiern, relaxen. Danach will sie ihr Fachabi machen. Doch in diesem Sommer ändert sich alles: alte Freunde werden fremd, ihr langjähriger Schwarm Marc entpuppt sich als Enttäuschung – und dann muss sie sich auch noch von ihrem geliebten Pflegepferd Djego trennen. Kurzentschlossen wirft Jana alle Pläne um und beginnt eine Ausbildung zur Pferdewirtin auf einem weit entfernten Gestüt. Reiten als Beruf – kann es etwas Schöneres geben? Die Arbeit auf dem Hof ist jedoch kein Zuckerschlecken und schon bald stößt Jana an ihre Grenzen. Erst als sie Kris trifft, beginnt sie sich in ihrem neuen Leben heimisch zu fühlen. Und dann ist da noch die faszinierende Stute Lovisa, zu der Jana eine ganz besondere Verbindung spürt ...

Meine Meinung: 
Endlich jemand der weiß, was eine Kardätsche ist! Danke! :D
Ich weiß gar nicht, wie oft ich Pferdebücher gelesen habe, in denen das Putzzeug entweder gar nicht oder falsch bezeichnet wurde...

Trotzdem muss ich leider sagen, so schön die Geschichte auch ist und so wohl ich mich zwischen den Seiten auch gefühlt habe, irgendwie hatte ich mehr erwartet.

Janas Gefühlschaos der neuen Situation betreffend konnte ich sehr gut nachvollziehen und schien auch überhaupt nicht überzogen und auch ihre Gefühle für die Ponys und Pferde waren mehr als nachvollziehbar...
Dennoch geht es hier darum, dass Jana Pferdewirtin werden will. Und dieser Aspekt kam mir zu kurz... Ich hatte auf eine Geschichte gehofft, die erzählt und nebenbei Theorie mit einbaut. Hier ist allerdings nur erzählt worden. Verschiedene Dinge wurden kurz angerissen, doch dann nicht weiter ausgeführt.
Stangentraining, Longenarbeit... Diese Szenen finden statt, doch was genau Jana tut, wird hierbei nicht erläutert und auch nicht wozu es dient. So etwas hätte ich mir gewünscht.

So wird vorausgesetzt, dass die Leser sich schon sehr mit Pferden und dem Ein- und Zureiten auskennen, wo ich mir in der Altersgruppe der Leser nicht ganz sicher bin.
Dennoch bin ich froh, dass zumindest die Begriffe hier alle richtig benutzt wurden! Nur einige Dinge hätte ich mir eben ausführlicher gewünscht.

Dagegen hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Tatsache, dass Jana Vegetarierin ist, mehr Gewicht bekam, als die Ausbildung zum Pferdewirt. So rückte für mich das eigentliche Thema der Ausbildung leider oft in den Hintergrund.

Auch muss ich sagen, hat mich das Buch oft sehr melancholisch gestimmt, denn den Großteil der Geschichte ist Jana traurig oder unsicher oder braucht einfach eine Umarmung...
Zum Glück haben die anderen, fröhlichen Passagen dies wieder etwas ausgeglichen.
Wenn einige davon auch ziemlich klischeehaft waren... (Prinz in goldener Rüstung rettet traurige Jungfer...)

Ich sag ja eigentlich nie was zum Ende von Büchern, aber: Gott ist dass süß... *seufz*