Donnerstag, 27. November 2014

Das Herz der Nacht

Rezension



Autor: Ulrike Schweikert
Preis: 19,95 €
Seitenanzahl: 480
Verlag: egmont LYX
Leseprobe: >> gibt es hier <<





Inhalt:
Ulrike Schweikert hat mit "Das Herz der Nacht" eine Mischung aus historischem und Fantasy-Roman erschaffen.
Der Graf und Vampir András Petru Bathory versucht im Wien des 19.Jahrhunderts, Fuß zu fassen. Gerade hier her aus Ungarn übergesiedelt, soll sein Leben endlich einen Sinn bekommen.
Als er auf die schöne Fürstin Therese Josepha Kinsky trifft und ihr danach auch ziemlich schnell einmal das Leben rettet, scheint es fast, als würde er zumindest einmal etwas Gutes tun. András zeigt  ihr, dass es sehr viel mehr im Leben gibt, als sich täglich von einem brutalen Ehegatten schlagen zu lassen.
Durch seine Freundschaft mit der Fürstin, lernt er die Pianistin Karoline Wallberg und ihre Tochter Sophie kennen.
Sophie, ein blindes Kind, das durch seine anderen Sinne "sieht", erkennt in András den Tod, doch fürchtet sie ihn nicht. Eher ist sie neugierig, was dieser in ihrem Haus sucht. Karoline bringt indes in Klavierstunden András das Spielen bei und auch hier erblüht langsam eine Freundschaft. Gerade Sophie wickelt den Grafen nach und nach um ihre Finger.
Graf András könnte in Frieden leben, wären da nicht unerklärliche Morde, die alle mit ihm im Zusammenhang stehen würden.
Das "Spiel" um den unbekannten Mörder nimmt immer weiter zu. Und bald ist nicht nur András selbst bedroht, sondern auch die, die ihm liebgeworden sind.

Meine Meinung:
Dieser Roman soll die Vorgeschichte zu den bekannten Peter von Borgo-Krimis darstellen. Doch als Einzelband finde ich persönlich ihn viel schöner, da der charmeversprühende András meiner Meinung nach nichts mit Peter von Borgo gemein hat.
Die Autorin zeigt ein authentisches Wien, wo der Hochadel, ihre Tanzpaläste und Kaffeehäuser im Einklang mit der Welt standen.
Hervorragend recherchiert erlebt der Leser ein Wien, wo die Zeit still steht. Die historische Kulisse erwacht im geistigen Auge und es ist ein wahrer Genuss, in diese vergangene Zeit zurückgeführt zu werden.
Neben dieser detaillierten Kulisse schafft es die Autorin, mühelos den sprachlichen Charme der Wiener einzufangen und man fühlt sich als stiller Beobachter beim Lesen. Das ganze wird mit Spannung, Mystik, Romantik und Krimielementen kombiniert. Dadurch entsteht ein wahrer Lesefluss.
Dies ist nicht zuletzt den Protagonisten und ihrer Geschichte zu verdanken.
Schnell hat der Leser seinen Lieblings-Protagonisten gefunden.
Ist es die Fürstin, die mit ihrem lauten Mundwerk schnell die Leser auf ihre Seite zieht und für den damaligen Gesellschaftsstatus alles andere als untergeben ist?
Oder ist es András selber, der durch Höflichkeit und Charme die weiblichen Leserherzen höher schlagen lässt?
Oder mag man lieber die junge Pianistin, die nicht nur durch ihre Pianokünste sich in das Herz der Leser schummelt?
Die Figuren haben eine sehr bewegende Tiefe und sind detailliert herausgearbeitet worden.
Neben diesen fiktiven Figuren hat es sich die Autorin nicht nehmen lassen, auch wahre Persönlichkeiten in ihren Roman einzubauen, wie zum Beispiel Franz Grillparzer und seine Verlobte Katharina Fröhlich oder die Schriftstellerin Karoline Pichler.
Auch der zu dieser Zeit zehn Jahre alte Kaiser Franz Joseph wird erwähnt.
Kleine Längen im Roman dienen dazu, die Spannung immer weiter zu steigern und in einem großartigen Finale in Hamburg über dem Leser explodieren zu lassen. Auch hierbei bedient sich die Autorin einer wahren historischen Begebenheit, - dem Brand in Hamburgs Altstadt im Mai 1842.

Ich muss zugeben, dass mich das Buch sehr überrascht hat. Ich kannte von Ulrike Schweikert bisher nur rein historische Romane oder Kinderreihen. In diesem Roman fehlt die kindliche Naivität gänzlich, da das einzige näher erläuterte Kind Sophie, kein"normales" Kind darstellt.
Das einzige, was ich ein wenig schade fand war, dass der Bezug zum Adelsgeschlecht der Báthory nicht deutlicher hergestellt wurde. Aus dem, wie ich zumindest annehme, András stammt. Sicherlich wird die Anspielung für diejenigen deutlich, die etwas über die so genannte Blutgräfin Erzsébet Báthory wissen. Jedoch hat mich gewundert, dass keiner der Charaktere des Buches darauf reagiert hat. Die Taten der Blutgräfin waren zu diesem Zeitpunkt auf ihrem Höhepunkt angelangt.
Abschließend ist zu sagen, dies ist ein klassischer Vampirroman ohne Kuschelvampire, die im Sonnenlicht glitzern, mit einem bezaubernden Ambiente - lesenswert und historisch belegt. Bekannte Namen und Orte, eine altmodische Sprache und eine herrschaftliche Gesellschaft mit Prunk und Pomp, entführen in eine verzauberte Welt, in der man gerne mit auf dem Schlitten fahren würde.

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