Sonntag, 4. Januar 2015

Es wird keine Helden geben

Rezension


Autor:  Anna Seidl
Preis: 14,95 €
Seitenanzahl: 256
Verlag: Oetinger
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„Es wird keine Helden geben“  ist eines der besten Jugendbücher, die ich 2014 gelesen habe. Nicht nur, dass es sich mit einem sehr ernsten Thema auseinandersetzt, es geht dabei auch auf die emotionale Tiefe des Geschehens ein.

Inhalt:
Miriams Leben ist nicht perfekt, doch eigentlich ist sie ganz glücklich. Das ihre Mutter fortgegangen ist, tut nicht mehr wirklich weh. Sie hat tolle Freundinnen. Und Tobi ist für sie der perfekte Freund. Ihre Probleme bestehen aus Schulaufgaben, Streitigkeiten und daraus, was sie zum Date anziehen soll. Doch das alles ändert sich, als sie an diesem Morgen in die Schule geht.
„Alles wird damit beginnen, dass ich verschlafe. Würde mein Freund mir keine SMS schreiben, würde ich nicht pünktlich zur Schule kommen.
Aber schließlich werde ich doch noch rechtzeitig dort sitzen, wenn es passiert. Und ich werde mich an einen anderen Ort wünschen, soweit weg wie nur möglich. Bis zu diesem Augenblick werde ich denken, dass die Lateinschulaufgabe das Allerschlimmste ist.
Dann ändert sich alles.“ (S.7)
Während Miriam mit ihrer besten Freundin Joanne in die Pause geht, fallen plötzlich Schüsse an ihrer Schule. Panisch versteckt sie sich mit ihrer Freundin auf dem Jungenklo, doch dem Amokläufer können sie dort nicht entkommen. Tobi wurde angeschossen. Miriam hat es gesehen und konnte ihm nicht helfen. Er stirbt im Krankenhaus. Miriam kommt mit einer Schusswunde davon.
Doch jetzt ist nichts mehr wie zuvor. Sie muss lernen mit dem Erlebten umzugehen und als wäre das nicht genug, ist plötzlich ihre Mutter wieder da. Und auch ihre Freundinnen können ihr nicht helfen, da sie genauso hilflos sind, wie Miriam selbst. Doch das Leben geht irgendwie weiter.

Meine Meinung:
Anna Seidls Schreibstil hat mich sehr berührt.Ich denke, niemand kann nachvollziehen, wie sich das Opfer eines Amoklaufs fühlt, wenn man nicht selbst dabei war. Doch die Autorin hat es geschafft, eine dramatische und fesselnde Geschichte für die Jugend zu erzählen, die einen zwischenzeitlich zum Weinen bringen kann und über die man noch lange nachdenken wird. Die tiefe Traurigkeit, die die Protagonisten erfasst hat, wird mit sehr viel Tiefe dargestellt. Miriam ist an sich teilweise schwer nachzuvollziehen, doch meiner Meinung nach, hat Anna Seidl damit genau das Gefühlsleben wiedergegeben, das einen jeden von uns befallen würde, wenn wir mit solch einer traumatischen Belastung leben müssten. Mirjam beginnt sich hinter Sarkasmus und Zynismus zu verstecken, wie jeder Mensch, der nicht möchte, dass andere sehen, wie schlecht es ihm tatsächlich geht.
Das was mich so beeindruckt hat an diesem Buch ist nicht die Geschichte an sich, sondern die emotionale Tiefe, die Anna Seidl hineinlegen konnte, und das obwohl sie beim Schreiben erst 16 Jahre alt war. Ich hoffe, von ihr in den nächsten Jahren noch mehr lesen zu können.
„Es wird keine Helden geben“ kann ich einfach jedem empfehlen, der sich nicht nur mit der Thematik eines Amoklaufs und dem Gefühlsleben des Amokläufers auseinandersetzen möchte, sondern die Sichtweise der Opfer kennen lernen möchte. Denn oft werden gerade die Opfer vergessen, für die das Leben doch irgendwie weitergehen muss, obwohl es unmöglich erscheint.

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